Bezirk Jenin (Dschenin)

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Der Bezirk Jenin (Dschenin) und die gleichnamige Stadt liegt im Norden des Westjordanlandes (Karte)  und damit im Herzen des ursprünglichen Palästinas. Aufgrund vieler Wasserquellen war Jenin (Dschenin) schon früh besiedelt, der Ort ist nach Jericho einer der ältesten bewohnten Orte der Erde. Die Ursprünge gehen wohl  auf eine Gründung im Jahre 2450 B. C. zurück, in den folgenden Jahrhunderten wird Jenin in altägyptischen Schriften und in den Schriften in Babylonien und Assuan und ebenso in der Torah und in der Bibel erwähnt. In der Zeit der Niederlassung der israelischen Stämme nach dem Auszug aus Ägypten wurde hier die Levitenstadt „Ein Ganim“ (hebr. Gartenquelle) gegründet (Josua 19,21). Später wird der Ort auch als „Grand Green“, „Gern“ „Jeenin“ und „Jenin“ benannt. Alle diese Namen haben eine ähnliche Bedeutung und weisen auf fruchtbare Gärten und Wasserquellen hin. Die Römer benutzten erstmalig den Namen „Jeenin“, nach der osmanischen Eroberung erhielt die Stadt ihre heutige Bezeichnung „Jenin“. 

Jenin ist im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umkämpft, erobert und zerstört worden, denn die Stadt kontrollierte eine wichtige Straße von Jerusalem nach Norden in die Jesreelebene und nach Haifa.. Berichtet wird schon von einer ersten Eroberung durch Tuthmosis  III. auf seinem Feldzug gegen die Syrer 1479 B. C. Im Laufe der Jahrhunderte folgten in der bewegten Geschichte viele weitere Eroberungen, denn Jenin war wegen seiner geographischen Lage immer ein wichtiger Handelsplatz, Poststation und Pilgerweg zwischen Haifa und Nazarath im Norden und Nablus und Jerusalem im Süden.

Am südlichen Rand des Bezirks Jenin gibt es ein archäologisch bedeutsames Gebiet, Khirbet Belame. Seit der frühen Bronzezeit (3000 B. C.) gab es hier eine Ansiedlung, die in alten Ägyptischen Dokumenten und im Torah als „Belaam“ erwähnt wird. Ein gut erhaltener „Fluchttunnel“ aus der byzantinischen Zeit ist heute wieder zu besichtigen. 

3 KM westlich im Bezirk Jenin liegt das kleine Dorf Burquin. Auf seinem Weg nach Jerusalem kam Jesus hier vorbei und soll, so wird berichtet, das Wunder der Heilung der Leprakranken hier vollbracht haben. An dieser Stelle wurde eine der ältesten Kirchen der Christenheit errichtet. Die erste Kirche in den Höhlen, wo das Wunder geschah, die dann vom 6. bis 9. Jahrhundert vor den Höhlen erweitert wurde und heute noch der Griechisch Orthodoxen Gemeinde von Burquin als Kirche dient. Ein  historisches Monument. 

In der Osmanischen Zeit erlebte der Bezirk Jenin einen gewissen Aufschwung, insbesondere nachdem eine Eisenbahnlinie (Hedschasbahn) seit 1913 Jenin, Afula und Nablus miteinander verband. Als Folge des ersten Weltkriegs geriet Jenin unter englische Kontrolle. Ein Denkmal im Zentrum der Stadt erinnert noch heute an die Stationierung einer Deutschen Fliegerstaffel zur Unterstützung der Türken gegen die Engländer im ersten Weltkrieg.

Nach der Teilung Palästinas durch UN Beschluss 1947 war Jenin als Teil des arabisch-palästinensischen Staates ein umkämpfter Ort zwischen Israelis und Arabern, konnte aber seine Unabhängigkeit bewahren. 1967 wurde Jenin, wie das ganze Westjordanland, von Israel erobert und ist seit dieser Zeit besetzt. Mit  dem Ausbruch der Al-Aqsa-Intifada (II. Intifada) im Jahr 2000, die von Israel unerbittlich niedergeschlagen wurde,  hat sich die Lebenssituation der Bevölke-rung  deutlich verschlechtert. Sie leidet unter der Abriegelung der Gebiete, viele Gebäude sind zerstört worden, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die einstmals unruhige Provinz ist seit Jahren befriedet, worauf Gouverneur Quadura Mousa zu Recht stolz ist, und beginnt sich jetzt auch wirtschaftlich zu erholen. 

In jüngster Zeit ist Jenin durch die Wiedereröffnung des „Cinema Jenin“ sehr bekannt geworden. Eine Initiative des deutschen Regisseurs Marcus Vetter, der das während der II. Intifada zerstörte Zentrum mit deutschen Geldern wiederaufbauen ließ. Dazu zählt auch der von ihm gedrehte Film „Ein Herz von Jenin“, der die Geschichte der Familie Khatib erzählt. Ihr 13jähriger Sohn wurde von Israelischen Soldaten während der II. Intifada erschossen. Nach langem Zögern gaben die Eltern das Herz und weitere Organe zur Implantation für israelische Kinder frei. Heute leitet der Vater ein Jugendzentrum, um den Kindern eine Perspektive zu geben.

Der Distrikt Jenin grenzt im Norden an Nazareth und Afula, im Süden an Nablus und im Westen an die „Grüne Grenze“ zu Israel. Von der „Grünen Grenze“ im Westen bis an den Jordan im Osten erstrecken sich die fruchtbaren Täler, die den Bezirk zu einem wichtigen Produzenten landwirtschaftlicher Produkte machen, z. B. für Zitrusfrüchte. Der Bezirk umfasst 18% der gesamten Fläche des Westjordanlandes.   Im Sommer kann es in der Region sehr heiß werden (Durchschnittstemperatur 33,6 Grad), im Winter dagegen liegt die durchschnittliche Temperatur bei nur 13,4 Grad.

Die letzte Bevölkerungserhebung fand 1998 statt, auf der alle nachfolgenden Projektionen beruhen. Unter Berücksichtigung der jährlichen Geburtenrate wurde für das Jahr 2006 eine Gesamtbevölkerung im Distrikt von 310 Tausend Einwohnern angenommen. Im Jahre 2010 rechnete man mit ca. 500 Tausend Einwohnern im Distrikt, davon ca. 36 Tausend in der Stadt Jenin und ca. 26 Tausend im Gemeindeverbund Zababdeh, Quabatia und Raba.

Auszugsweise übersetzt aus „Das Governorate of Jenin – Between the Past, Present and Future“ und aus „wikipedia“ übernommen.