Mailing Januar 2018

08.01.2018

Liebe Mitglieder, Freunde und Förderer,

Wir sind froh und stolz, dass nun endlich die Projektpartnerschaft zwischen Bielefeld und Zababdeh unterzeichnet ist. Anbei bringen wir Ihnen die Rede von Dr. Kramer anlässlich der Vertragsunterzeichnung und als PDF-Anhänge den Vertragstext sowie Presseartikel zu dem Ereignis zur Kenntnis.

Dr. Johannes KramerVorsitzender der Bielefelder Nahost-Initiative
Festakt aus Anlass der Begründung einer Projektpartnerschaft mit der Stadt Zababdeh/ Palästina am 10.12.2017

Stellvertretend für alle Partner aus Zababdeh, lieber Herr Bürgermeister Daibes,


Sehr geehrte Frau Botschafterin Daibes,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, lieber Herr Clausen,
sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen der Bielefelder Nahost-Initiative möchte auch ich meine Freude zum Ausdruck bringen, dass es zu diesem Partnerschaftsvertrag heute gekommen ist.

Endlich, muss man hinzufügen! Die Stadt hat sich ja damit sehr schwer getan; sie hat lange Zeit, nämlich 8 Jahre gebraucht, die verschiedenen, zwischenzeitlich aufgetretenen Missverständnisse und Befürchtungen auszuräumen, bis sie diesen Schritt vollzogen hat. Bei aller Ungeduld, die uns als Bielefelder Nahost-Initiative immer wieder befallen hat, kann ich – ich will das hier und heute gerne einräumen - die Stadt auch etwas verstehen.

Eine Partnerschaft mit Zababdeh, einer Stadt in Palästina ist etwas Besonderes und unterscheidet sich im Grundgedanken schon von den anderen, bereits existierenden Partnerschaften. Das wird in diesen Tagen ja noch einmal mehr als deutlich. Lassen Sie mich die Verschiedenheit in den Grundgedanken für die Partnerschaften pointiert, vielleicht zu pointiert, so formulieren:

Alle anderen Städtepartnerschaften sind letztlich getragen vom Gedanken der Aussöhnung; Aussöhnung mit Städten aus Ländern, mit denen Deutschland im Krieg lag und denen wir großes Leid zugefügt hatten, oder, wenn ich an Naharija denke, wir durch den Holocaust große Schuld auf uns geladen haben.

Die Partnerschaft mit Zababdeh ist anders, ist nicht getragen von diesem Grundgedanken, sondern versteht sich als Friedensinitiative. Es geht primär nicht um eine Aussöhnung zwischen Deutschen und Palästinensern, obwohl wir Deutsche mittelbar auch verantwortlich sind für die jetzige Lage Palästinas.

Für uns von der BNI ist damit verbunden die Hoffnung, dass wir damit einen kleinen, sicherlich bescheidenen Beitrag leisten können zum Frieden im Nahen Osten; die Hoffnung, eine Brücke mit bauen zu können, auf der sich Palästinenser und Israelis einmal friedlich, frei von Hass und mit gegenseitigem Respekt voreinander begegnen werden; die Hoffnung, dass die Menschen aus Naharija und aus Zababdeh aufeinander eher freundschaftlich zugehen werden, wenn nicht vor Ort, dann in Bielefeld.

Wir hatten dabei die Erfahrungen nach 1945 vor Augen, wo viele solcher kleinen Beiträge letztlich zu Freundschaften zwischen Franzosen und Deutschen geführt haben, zwischen zwei Völkern, die sich bis dahin in unversöhnlichem Hass gegenüber standen.

Das ist unser Traum! Unsere Vision!

Und ich möchte mich bei Ihnen, Herr Clausen, stellvertretend für die Stadt, herzlich dafür bedanken, dass sie mit dem heutigen Vertrag uns helfen, dieser Vision einen Schritt näher zu kommen.

Um unserem Traum näher zu kommen, hat die Bielefelder Nahost-Initiative bisher folgende Aktivitäten entwickelt:

  • Um die Bevölkerung in Bielefeld und Umgebung über die Lage im Nahen Osten zu informieren und zu sensibilisieren, haben wir im Schnitt pro Jahr 5-6 Infoveranstaltungen durchgeführt und inzwischen 5 Filmwochen mit 20 Filmen über den Konflikt angeboten.
  • Inzwischen waren zwei Schülergruppen aus Zababdeh schon in Bielefeld; beim letzten Mal auch verbunden mit einer Reise nach Berlin und dem Besuch des Jüdischen Museums.
  • Wir hatten einen Kooperationsvertrag zwischen der dortigen Universität und der Fachhochschule in Bielefeld vermittelt, der allerdings neu zu beleben wäre.
  • Und eine Gruppe von 20 Schülerinnen und Schülern nebst 2 Lehrern der Bielefelder Gymnasien Bethel und Helmholtz sind gerade erst vom Gegenbesuch zurück. Diese Reise führte auch nach Jerusalem und in die Gedenkstätte Yad Vashem.

Welch tiefen Eindruck die Reise bei allen Schülern hinterlassen hat, konnte man eben wohl erahnen. An dieser Stelle möchte ich den Schulleitungen beider Gymnasien und vor allem den beiden Lehrern, Frau Puissant und Herrn Busch, die die Gruppe begleitet hatten, meinen herzlichen Dank aussprechen für das große Engagement.

Der heutige Vertrag gibt der Beziehung beider Städte eine stabile Grundlage. Er gibt zugleich einen stabilen Rahmen für weitere Initiativen und Projekte. Das ermutigt und gibt Hoffnung.

Bei dieser positiven und hoffnungsvollen Entwicklung lassen wir uns auch nicht entmutigen, wenn Jerusalem einseitig zur Hauptstadt Israels erklärt wird. Ich will die möglichen Folgen heute nicht an Wand malen. Aber wenn es dazu kommt, erwarte ich, dass sich alle daran erinnern, wer der Verursacher war. Mir erscheint dieser Verweis erforderlich, weil in der Vergangenheit zu häufig Folgewirkungen mit Ursachen verwechselt worden sind und medienmäßig einseitig zu Lasten der Palästinenser instrumentalisiert wurden.

Mit freundlichen Grüßen und allen Guten Wünschen für ein friedvolles Neues Jahr 2018

Bielefelder Nahost-Initiative e. V.

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